Die Historie unserer Loge
Über 245 Jahre Freimaurerei in Rendsburg
Geschichte der Johannisloge Nordstern
Schon vor ca. 245 Jahren gab es von 1768 bis 1781 in der dänischen Garnisonsstadt Rendsburg mit der Loge „Josua zum Korallenbaum" freimaurerisches Leben.
Das alte Logenhaus, das wir in den 30er Jahren aus politischen Gründen aufgegeben haben.
Ursprünge der Freimaurerei
Der Begriff „Freimaurer" leitet sich aus den operativen Steinmetzbruderschaften der Dombauhütten des Mittelalters ab, aus denen dann im 18. Jahrhundert die sogenannte spekulative Maurerei entstand. Diese hat zwar rein geistigen Charakter, bezieht aber ihre Symbolik und ihre Rituale überwiegend aus dem Brauchtum jener operativen Steinmetzbruderschaften.
Auch wenn das Jahr 1717, als sich vier Logen in London zu der „Vereinigten Großloge von London" verbanden, als das offizielle Gründungsdatum der Freimaurerei betrachtet wird, sind ihre Wurzeln wesentlich älter und wurden von unterschiedlichsten Strömungen geprägt.
Freimaurerei, auch königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Männer mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt.
Nach ihrem Selbstverständnis vereint sie Männer aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen.
Am 24. Juni 1717 (Johannistag) schlossen sich vier Londoner Logen in der Taverne „Goose and Gridiron" beim St. Paul's Churchyard zur ersten Großloge der Welt zusammen – der „Grand Lodge of London and Westminster", aus der später die Großloge von England wurde. Die vier Logen wurden damals nicht nach Namen, sondern nach ihren Versammlungsorten benannt – sie trafen sich in Wirtshäusern:
- Goose and Gridiron Ale-house (St. Paul's Churchyard) – die älteste und ranghöchste der vier, später als „Lodge of Antiquity No. 2" bekannt. Sie existiert bis heute und beansprucht eine Geschichte, die bis zu den Bauhütten der St.-Paul's-Kathedrale zurückreichen soll.
- Crown Ale-house (Parker's Lane, nahe Drury Lane) – diese Loge erlosch in den 1730er Jahren als einzige der vier.
- Apple-Tree Tavern (Charles Street, Covent Garden) – hier soll bereits 1716 das Vorbereitungstreffen stattgefunden haben, bei dem die Gründung der Großloge beschlossen wurde. Sie besteht heute als „Lodge of Fortitude and Old Cumberland No. 12" fort.
- Rummer and Grapes Tavern (Channel Row, Westminster) – die vornehmste der vier mit vielen Adligen und Gelehrten als Mitgliedern, heute „Royal Somerset House and Inverness Lodge No. IV".
Zum ersten Großmeister wählten sie Anthony Sayer, einen eher unbedeutenden Gentleman. Bedeutsamer wurde es ab 1719/1721, als mit John Theophilus Desaguliers (Naturwissenschaftler und Newton-Vertrauter) und dann dem Duke of Montagu erstmals ein Adliger Großmeister wurde – das machte die Freimaurerei in der englischen Oberschicht gesellschaftsfähig.
1723 verfasste James Anderson die berühmten „Alten Pflichten" (Constitutions), das erste Grundgesetz der Freimaurerei. Einige Historiker zweifeln übrigens am genauen Ablauf von 1717, da zeitgenössische Quellen fehlen – die Geschichte wurde erst 1738 von Anderson rückblickend aufgeschrieben. Manche vermuten daher, die Gründung sei eher ein Prozess gewesen als ein einzelnes Ereignis an diesem Tag.
Deutsche Freimaurerei seit 1737
Schon früh gab es Lehrlinge, Gesellen und Meister, die ersten drei Grade der Freimaurerei. Die Loge „Absalom zu den drei Nesseln" in Hamburg wurde am 6. Dezember 1737 gegründet – in einer Taverne namens „Taverne d'Angleterre" in der Großen Bäckerstraße. Sie gilt damit als die älteste Freimaurerloge Deutschlands. In diese Loge wurde 1738 der spätere preußische König Friedrich II. (der Große) von Preußen zum Freimaurer aufgenommen.
Die Johannislogen (1. bis 3. Grad) und die Andreaslogen (4. bis 6. Grad) eines Bezirks sind in der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD) in Provinziallogen zusammengefasst.
Freimaurerei in Schleswig-Holstein
In die Rendsburger Loge „Josua zum Korallenbaum" wurde am 4. März 1775 der Statthalter des dänischen Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, der Prinz Carl von Hessen-Kassel, zum Freimaurer aufgenommen. Mit der Aufnahme des Prinzen Carl von Hessen-Kassel zum Freimaurer begann ein neuer Abschnitt der Freimaurerei in Schleswig-Holstein.
Carl von Hessen-Kassel (1744–1836) war ein deutscher Landgraf und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Freimaurerei.
- Hochrangiges Mitglied der Strikten Observanz, einem einflussreichen Freimaurersystem des 18. Jahrhunderts
- Langjähriger Großmeister der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD) – also genau der Loge, der auch die Johannisloge Nordstern angehört
- Enger Vertrauter von Johann Christoph von Wöllner und anderen Freimaurerführern seiner Zeit
- Statthalter der dänischen Provinz Schleswig-Holstein
- Residierte auf Schloss Louisenlund bei Schleswig
- Bekannt für sein Interesse an Alchemie, Mystik und Naturwissenschaften
- Unterhielt Kontakt zu vielen Geheimgesellschaften und esoterischen Strömungen seiner Zeit
Am 25. Juli 1775 wurde die Präfektur Eyendorp gegründet. Prinz Carl von Hessen-Kassel wurde zum Superior aller Freimaurerlogen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein ernannt.
Verbot und Neubeginn
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schlossen viele Logen auch in Schleswig-Holstein. Im Jahre 1935 wurde die Freimaurerei in Deutschland schließlich ganz verboten. Nach dem Höhepunkt 1930 mit rd. 80.000 Brüdern traten 1945 zunächst nur etwa 5.000 Brüder in Deutschland den sich neu konstituierenden Logen bei. (Heute sind es rd. 17.000 deutsche Freimaurerbrüder.)
Am 19. Mai 1948 traten die Vertreter der schleswig-holsteinischen Freimaurerlogen der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Rendsburg zusammen und fassten den Beschluss, den alten Provinziallogenverband Schleswig-Holstein zu reaktivieren. Die Gründung der heutigen „Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V." als Nachfolgerin des Provinziallogenverbandes erfolgte am 10. Oktober 1951.
Das 250-jährige Jubiläum wurde am 14. Juni 2025 mit einem besonderen Festritual und einem anschließenden bunten Festabend im Flensburger Logenhaus am Nordergraben begangen.
Bekannte Freimaurer
Hier sind einige historisch gut dokumentierte Freimaurer:
Politik & Staatsmänner
George Washington, Benjamin Franklin und etliche weitere US-Gründerväter waren Logenmitglieder. Auch Winston Churchill, Theodore Roosevelt, Franklin D. Roosevelt und Friedrich der Große (der die Freimaurerei in Preußen förderte) gehörten dazu. Aus Deutschland außerdem Gustav Stresemann, Reichskanzler und Außenminister der Weimarer Republik. Aus den USA außerdem Jesse Jackson.
Musik & Literatur
Wolfgang Amadeus Mozart ist wohl der berühmteste musikalische Freimaurer – seine „Zauberflöte" ist voller freimaurerischer Symbolik. Joseph Haydn war ebenfalls Mitglied. In der Literatur: Johann Wolfgang von Goethe (Loge „Amalia" in Weimar), Gotthold Ephraim Lessing, Mark Twain, Oscar Wilde, Arthur Conan Doyle und Rudyard Kipling.
Wissenschaft & Entdecker
Alexander Fleming (Entdecker des Penicillins), der Polarforscher Ernest Shackleton und Charles Lindbergh. Auch Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, war Freimaurer. Ebenso Steve Wozniak, Mitgründer von Apple.
Schleswig-Holsteiner
Matthias Claudius (Deutscher Dichter), Hjalmar Schacht (Politiker, Reichsbankpräsident), Harro Harring (Revolutionär, Dichter und Maler) und Jens Rusch (Buchmaler).
Weitere bekannte Namen: Henry Ford, Walt Disney wird oft genannt (ist aber umstritten – er war wohl nur bei der Jugendorganisation DeMolay), Harry Houdini, Duke Ellington, Louis Armstrong und Nat King Cole.
Grundideale der Freimaurerei
Freiheit
Die Freiheit des Denkens und des Handelns nach ethischen Grundsätzen
Gleichheit
Jeder Mensch ist unabhängig von Herkunft oder Bildung gleichwertig
Brüderlichkeit
Verbundenheit über alle Grenzen und Religionen hinweg
Toleranz
Achtsamkeit und Respekt gegenüber anderen Überzeugungen
Humanität
Die Würde des Menschen und der Frieden auf der Welt
Der Freimaurerorden ist ein Männerbund, der sich auf eine christlich-sittliche Lehre gründet. Freimaurer sind eine geschlossene Gesellschaft – geschlossen im Sinne von Zusammenschluss, offen im Sinne von Aufgeschlossenheit. Sie bemühen sich um die Einhaltung der Menschenrechte, die Würde des Menschen und den Frieden auf der Welt.
Toleranz und brüderliche Liebe verbinden über Grenzen und Religionen hinweg. Freimaurerei muss daher jeden Rassismus zurückweisen und auf Aussöhnung drängen.
Diese Ideale erfordern den freien Mann von gutem Ruf – das ist die Voraussetzung, im Orden aufgenommen zu werden.